Was ist Schamanismus?

Was ist Schamanismus?

Wenn man sich im Netz und in Buchhandlungen umsieht, merkt man es ganz deutlich: Schamanismus liegt voll im Trend. Es gibt unzählige Blogbeiträge, Bücher, Videos und andere Leitfäden, die einem den Schamanismus näher bringen wollen.

Nur, was ist das denn überhaupt?

Wer keine Bibliothek wälzen möchte um dieser Frage nach zu gehen, sei herzlich eingeladen diesen kleinen Artikel hier zu lesen oder mein gleichnamiges YouTube-Video anzusehen.

Der Schamanismus ist keine Religion, wie häufig irrtümlich angenommen wird, aber er ist in vielen religiösen Praktiken ein fester (mitunter stark versteckter) Bestandteil – sogar im Christentum.

Ein Schamane ist eine Person, die willentlich veränderte Bewusstseinszustände erreichen kann und dadurch Informationen erhält, die er für das Wohl der Gemeinschaft einsetzt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die persönlichen „Geister“ des Schamanen, die in Form von Tieren, Mentoren und anderen Helfern auftreten, heutzutage auch häufig als Engel und Heilige.

Das Wort Schamane leitet sich wohl vom tungusischen „saman“ ab, welches erhitzen, sich erhitzen und Ekstase bedeutet. Er ist archäologischen Funden zufolge mindestens 40 bis 50.000 Jahre alt! So hatte er genügend Zeit, sich rund um die Welt in fast allen Kulturen zu verbreiten. (Wobei ich annehme, dass die Menschen ihn einfach überall hin mitgenommen haben.)

Die Schamanen hatten und haben vielfältige Aufgaben in ihren Gemeinschaften als Heiler, Philosophen, Seelsorger, Priester, Kräuterkundige, Lehrer, Jäger oder Krieger. In einigen Kulturen war es dabei egal, ob ein Mann oder eine Frau Schamane wurde, während andere ganz strikte Regelungen hatten. Manchmal war es auch üblich, dass alle Mitglieder einer Gesellschaft schamanisch arbeiteten – in verschieden starken Ausprägungen.

Auch der Werdegang eines Schamanen konnte sehr unterschiedlich aussehen. Während es in einigen Familien als Tradition vererbt wurde, gingen andere ganz klassisch in eine Ausbildung bei einem erfahrenen Schamanen. Aber vor allem auch besondere Ereignisse – sogenannte Initiationen – konnten einen Menschen zum Schamanen berufen. Das waren z.B. Träume, Visionen, Tierbegegnungen, epileptische Anfälle und auch Nahtodeserfahrungen, die teilweise sogar bewusst herbei geführt wurden.

Es gibt auch viele Geschichten von Leuten, die diese Berufung ignorierten. Sie wurden dann krank, bis sie dem Ruf der Geister folge leisteten.

In unserer westlichen Gesellschaft ist es derzeit eher das Interesse, das einem zum Schamanismus zieht. Man kann Bücher lesen oder Kurse und Seminare besuchen, denn die Grundtechniken sind normalerweise von jedem schnell erlernbar. Ob man dann eine gute Verbindung zu den eigenen Geistern erhält, hängt von der eigenen Motivation, Geduld und Durchhaltevermögen ab.

Dass der Schamanismus heutzutage so populär geworden ist, verdanken wir hauptsächlich einem US amerikanischen Anthropologen namens Michael Harner. Dieser hat in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts bei Indianerstämmen in Südamerika gelebt, ist dort mit Schamanen in Kontakt gekommen und fand deren Fähigkeiten so faszinierend, dass er prompt bei ihnen in die Lehre ging.

Später befreite er das Gelernte von allen kulturellen Prägungen, so dass nur die Kerntechniken übrig blieben. Diese hat er dann in Seminaren und Büchern weitergegeben – der Core-Schamanismus war geboren. Dieser verbreitete sich relativ schnell und kam schließlich auch nach Europa.

Dabei haben wir hier auch eine reichhaltige schamanische Tradition, von der nur leider während der Inquisition ganz viel verloren gegangen ist. Man denke z.B. an die keltischen Druiden oder an die nordische Kultur – die Edda ist voller schamanischer Bilder und Vorstellungen. Auch im Paganismus und im Wicca hat sich das schamanische Weltbild erhalten.

Der veränderte Bewusstseinszustand wird im Schamanismus „Traumreise“ oder „Reise in die Anderswelt“ genannt. Dafür werden häufig Instrumente, wie Trommel oder Rassel, zu Hilfe genommen. Auch Streichinstrumente oder Gesang kommen zum Einsatz. Es soll ein Ausgleich der Gehirnhälften angeregt werden, der bestimmte Wellenmuster hervorbringt, die charakteristisch für eine tiefe Entspannung sind.

Während der Traumreise sprechen und interagieren wir mit unseren Geistern oder Spirits, die uns zur Seite stehen und helfen. Dafür ist es wichtig, ein genaues Ziel vor Augen zu haben, denn sonst kann eine Reise recht diffus oder chaotisch werden. Möchtest Du eine Heilreise machen oder brauchst du eher Informationen und eine erweiterte Perspektive für eine bestimmte Lebenssituation? Klarheit ist hier der Schlüssel.

Man braucht keine Angst zu haben, dass einem dabei etwas passieren könnte. Da der Bewusstseinszustand willentlich herbeigeführt wurde, kann er auch jederzeit willentlich wieder beendet werden. Anfangs ist es sogar eher problematisch konzentriert bei der Sache zu bleiben und nicht aus versehen wieder heraus zu rutschen – oder schlicht einzuschlafen.

Kleine Rituale können hier hilfreich sein. Setze dich an einen bestimmten Ort, zünde eine Kerze an und verbrenne vielleicht etwas Räucherwerk um dein Unterbewusstsein zu programmieren, damit es weiß, worauf es sich einstellen soll. Mit der Zeit wird es dann immer einfacher die Traumreisen zu machen. Vergleichen kannst du es mit einer Art Meditation oder Tagtraum, nur dass du dabei vieles erlebst, was du nicht willentlich beeinflussen kannst.

Solltest du jetzt neugierig geworden sein, empfehle ich ein gutes Buch zu dem Thema zu lesen (schau mal in meine Rezension hier) oder ein Seminar mitzumachen, z.B. bei der Foundation for Shamanic Studies.

 

Bis bald, alles Liebe!

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